Dienstag, 12. April 2016

Burkina Faso

IE-Gang: Laura, Julian, Nathi, Sam und ich (v.l.n.r.)
Lange ist’s her – jetzt melde ich mich doch wieder einmal und dafür ausführlich. Anlass dafür gibt es genug – ich war über Ostern für zwei Wochen in Burkina Faso. Das ganze hat sich ziemlich spontan entwickelt: als mir Nathi (eine Ex-Studienkollegin von meinem Bachelor) erzählt hat, dass sie in Burkina Faso heiraten wird, habe ich kurz entschlossen einen Flug von Bilbao nach Ouagadougou gebucht.

Mit dem Visum hat alles gut geklappt und so bin ich am Samstag, 19.März, in den Flieger gestiegen. Beim Umsteigen in Brüssel hab ich dann Julian, Sam (auch 2 IEler) und die Schwester von Nathi mit ihrer Familie (Mann + 2 Kinder) getroffen. Nach ca. 6h Flug sind wir am Abend in Ouagadougou gelandet und es war ziemlich warm. In der einzigen Ankunftshalle hat die Passkontrolle etwas lang gedauert aber das war uns bei der Aufregung eigentlich ziemlich egal. Am Ausgang hat uns dann schon Nathi mit Karim und ihren Eltern erwartet und nachdem Laura (ex-IElerin) auch noch gelandet ist, sind wir gemeinsam mit einem Minibus zu unserem Hotel gefahren. Erster Eindruck: Hitze, keine hohen Gebäude und eher schlecht Straßen – aber die Stimmung hat gepasst!

Unsere Gruppe mit einem Dorfoberhaupt (in bunt)
Am nächsten Tag sind wir wann das erste Mal bei Tageslicht aus unserem Hotel gegangen um Geld zu holen und den Markt zu besichtigen, der direkt gegenüber von unserer Unterkunft war. Obwohl es erst 10 am Vormittag war, war es schon extrem heiß – von diesem Moment an haben wir gelernt, immer Kopfbedeckung mitzunehmen. Und wir sind natürlich aufgefallen. Eine große Gruppe von Weißen (schlussendlich waren wir 12) sieht man in Burkina Faso nicht alle Tage. Was mir am ersten Tag aber vor allem aufgefallen ist, waren: 1. die große Anzahl von Frauen, die Fahrrad fahren (vielleicht bin ich da etwas Kairo-geschädigt); 2. Die vielen schönen bunten Kleidungen, die Männer und Frauen tragen; 3. Die Tatsache das wir ständig beobachtet werden aber in einer Art und Weise, die auf reiner Neugier beruht und nicht (oder nur sehr selten) ungut ist. Zu Mittag war die Hitze dann so groß, dass wir zurück gegangen sind und erst wieder am Abend raus gegangen sind um ein Bier trinken zu gehen. Es hat sich schnell gezeigt, dass man generell von 12 bis 4 oder 5 am Nachmittag eigentlich nichts machen kann außer zu chillen weil es einfach zu heiß ist (40 Grad im Schatten).

Krokodilfütterung
Am nächsten Tag sind wir deshalb früh los um Krokodile zu sehen. War zwar ganz nett aber der interessante Teil ist danach gekommen. Auf dem Weg zu den Krokodilen haben wir nämlich das Hoheitsgebiet von einem Dorf gequert und so mussten wir am Weg zurück in dem Dorf halt machen und dem Dorfoberhaupt/König unseren Respekt bringen, indem wir ihm die Hand schütteln. Das gleiche haben wir dann noch ein einem anderen Dorf machen müssen, wobei wir dort länger geblieben sind und auf „Dolo“ eingeladen wurden – ein Hirsebier, dass in jedem Dorf gebraut wird und zu Feierlichkeiten getrunken wird. Schmeckt ein bisschen wie Cidre.

In Burkina Faso basiert alles sehr stark auf Respekt und hier gilt: Alter geht vor. Immer. Nathis Eltern (und vor allem ihr Vater) wurden somit immer als erstes angesprochen und begrüßt. Kinder haben somit auch generell ein ganz anderes Verhältnis zu ihren Eltern – totaler Respekt und Unterwürfigkeit, man darf den Eltern und älteren Personen nicht in die Augen sehen.

Im Kinderzentrum
Am Dienstag sind wir dann mit einem klimatisierten Linienbus nach Bobo-Dioulasso gefahren und haben dort unsere Unterkunft bezogen. Hier war es zumindest ein-zwei Grad kühler – einen Unterschied den man schon bemerkt aber die Hitze macht trotzdem fertig. Bobo-Dioulasso ist die zweitgrößte Stadt Burkina Fasos und hat kulturell mehr zu bieten. Wir waren im nationalen Musik Museum, bei der Brakina Brauerei, im großen Markt, in einer wirklich schönen und (für mich) ziemlich ungewöhnlichen Moschee und haben das Kinderzentrum besucht, in dem Nathi vor 9 Jahren gearbeitet hat.

Außerdem haben wir uns Hochzeitsgewand schneidern lassen. Das war natürlich ein ziemliches Highlight. Gegen Abend sind wir zu Fuß zur Schneiderei, die aus genau einem kleinen Zimmer besteht, gegangen und haben uns dort aus Katalogen ausgesucht, welchen Schnitt wir haben wollen. Den Hochzeitsstoff haben Nathi und Karim schon vorher ausgesucht – einfach nur bunt, besser kann man es nicht beschreiben. 

Beim Schneider
Nachdem der Schneider dann unsere Maße genommen hat, sind wir im (wirklich!) Dunkeln zurück zu unserer Unterkunft gegangen. Wir waren alle etwas kritisch da sich der Schneider nur die Maße aber nicht die verschiedenen Modelle und Wünsche von uns 12 aufgeschrieben hat. Er ist dann wirklich noch einmal gekommen um sich zumindest die Namen aufzuschreiben. Zwei Tage später habe ich dann zwar ein anderes Modell als eigentlich gedacht bekommen (er hat zwei Namen und Modelle vertauscht) aber da wir schon am nächsten Tag für die Hochzeit ins Dorf gefahren sind, war nicht mehr viel Zeit für Änderungen und es hat im Großen und Ganzen ja eh gepasst.

Straße nach Fara
Freitag Früh ging es dann also los zu Karim’s Dorf – Fara. Nach 2h Fahrt sind wir in dem ziemlich stereotypisch „afrikanischen“ Dorf angekommen. Es war Mittag und so haben wir die nächsten Stunden im Schatten eines großen Mangobaums verbracht, während Nathi und Karim die ganzen Dorfältesten begrüßen mussten und wir von unzähligen Kindern beim chillen beobachtet wurden. Das Ganze war irgendwie ziemlich surreal. Wir hatten einfach keine Möglichkeit uns zu kommunizieren, da die meisten DorfbewohnerInnen nur Senoufou sprechen und wir natürlich nicht. Irgendwann ist sind dann Karim und Nathi zurück gekommen und wir haben unser Gepäck in das Haus von einem von Karim’s Brüder gebracht, der dieses extra für uns geräumt hat. Da im Haus aber nur genug Platz für unser Gepäck war, haben wir alle im Hof auf Matten geschlafen (siehe Bild). Nachdem wir uns am Abend selbst Spaghetti gekocht haben und mit Karim’s Vater gesprochen haben (mittels Karim’s Übersetzung), sind wir dann also schlafen gegangen – noch immer unter der Beobachtung von vielen Kindern und Erwachsenen.

Unser Schlafplatz
Beim Aufwachen am nächsten Tag haben wir dann alle einfach minutenlangen mal einen Lachanfall bekommen. Es war das Osterwochenende und so haben wir eine Ostereier-Bemal-Aktion gestartet. Ich habe keine Ahnung, was sich die Kinder beim Anblick von uns „Tubabus“ (Weiße) beim Ausblasen von den Eiern gedacht haben. Aber nachdem wir das Bemalen gestartet haben, waren alle begeistert. Insgesamt wurden so 60 Eier bemalt und auf einen Mangobaum gehängt – ein alternativer Osterstrauch. Und wir haben uns dann im Schatten Omelette-Sandwiches zum Mittagessen gemacht. Eine Aktivität und schon wieder haben wir Erholung gebraucht – die Hitze war echt unglaublich.

Am Abend gab es dann ein Event für die Frauen des Dorfes. In Vorbereitung für die Hochzeit kam eine Musikerin mit Trommel zum Dorfmittelpunkt. Als sie angefangen hat zu singen und zu trommeln, sind alle Frauen vom Dorf gekommen und haben in einem Kreis getanzt. Nathi musste als Braut natürlich mitmachen und so wurden auch wir mit rein gezogen. Die Männer durften nur zusehen. Das Getrommel ging noch lange weiter, irgendwann haben wir uns aber verabschiedet.

Ostereier-Aktion
Sonntag war dann der große Tag. Angefangen hat es mit dem Erdnüsse-brennen, die dann an die Leute im Dorf verteilt wurden. Eigentlich Männer-Sache aber da wir Ausländerinnen sind, durften wir es uns trotzdem ansehen und bekamen sogar Erdnüsse. Laut Tradition ist dann das Paar ab diesem Moment verheiratet und so haben wir die beiden beglückwünscht – mit Umarmungen und Küsschen, etwas das man im Dorf wahrscheinlich noch nie gesehen hat. Vor allem als die Männer aus unserer Gruppe Nathi umarmt haben. Und plötzlich ist etwas außergewöhnliches passiert: der Vater von Karim, ist zu Nathi gekommen und hat sie auch umarmt! Ein total beeindruckender Moment, da sich die beiden ja nicht wirklich verständigen können. Aber der Vater ist vollkommen über seinen eigenen Schatten und die Traditionen des Dorfes gesprungen. Wir alle waren ziemlich positiv von der Geste überrascht!

IElerInnen in Festkleidung
Der Tag ist dann damit weiter gegangen, dass das Fest-Schaf, das den Tag davor in unserem Hof verbracht hat, geschlachtet wurde. Danach wurde Naht in die Handwerke der von Karims Familie eingewiesen: die Herstellung von Karite-Butter und Baumwoll-Spinnen (sieht leichter aus als es ist!). Am frühen Nachmittag sind dann die Musiker gekommen und wir haben uns in unsere Festkleider geworfen. Zuerst waren jedoch nochmal die Frauen mit der Musikerin vom Vortag an der Reihe. Dieses Mal haben sich dann aber einfach die Männer aus unserer Gruppe nach einer gewissen Zeit zum tanzen dazu gesellt – wurde ihnen dank Ausländerstatus verziehen, viele Frauen haben es eh lustig gefunden. Danach war dann die Musiker-Gruppe an der Reihe und alle durften tanzen – Hitze hin oder her, da musste man einfach mitmachen. Nach ca. 2h war dann Pause angesagt, immerhin mussten alle ihr Abendessen vorbereiten. Interessantes Fact am Rande: Nathi und Karim haben zwar Reis und anderes Essen für die Hochzeitsgäste organisiert, kochen mussten aber alle für sich selbst.

Baumwolle
Nach dem Abendessen ging dann gegen 10 die Party los. Es wurden zwei Scheinwerfer mit Generator für die Beleuchtung aufgestellt und die Band  begann wieder zu spielen. Wieder wurde im Kreis getanzt und je mehr und motivierter getanzt wurde, desto mehr Staub wurde vom Boden aufgewirbelt. Auf den Fotos und Video, die gemacht wurden, ist absolut nichts zu sehen – es war viel zu staubig! Irgendwann war dann „geplanter Stromausfall“ und die Party war vorbei – zum Glück, wir waren alle ziemlich fertig!

Am nächsten Tag musste Nathi dann in der Früh den Dorfältesten Frauen Wasser vom Brunnen bringen, um so ihren Respekt zu bringen. Das hat natürlich seine Zeit gedauert und nachdem wir uns dann offiziell von den Dorfältesten verabschiedet haben, sind wir am Nachmittag zurück nach Bobo-Dioulasso gefahren. Ich habe mich selten so sehr über eine Dusche gefreut! Der Staub war einfach überall.

Beim Wasser holen hat Nathi netterweise
Unterstützung bekommen
Seifenblasen-Aktion zum
Abschied im Dorf
Die Halbzeit von unserem Aufenthalt war somit schon vorüber. Wir hatten das Glück, dass genau in dieser Woche die Nationale Kulturwoche in Bobo stattfand und so gingen wir nach einem Tag Erholung zu dem riesigen eingezäunten Areal. Der Eintritt betrug ca. 30 Cent und drinnen befanden sich viele verschiedene Stände von Künstlern Burkina Faso und anderen afrikanischen Ländern. 
Nun ging es um das richtige Feilschen. Als Faustregel galt dabei: nicht mehr als die Hälfte des geforderten Preises zahlen und bei 1/3 beginnen. Wir IEler haben es diese Mal ohne Karim versucht und uns alleine auf die Suche gemacht. Wahrscheinlich hätte er noch billigere Preise erzielt aber so war es auch eine richtig gute und lustige Erfahrung.  Das Ambiente war wirklich gut, leider haben wir am nächsten Tag in der Früh am Weg zur Nilpferdbeobachtung gesehen, wie die Stände lichterloh gebrannt haben. In der Zeitung haben wir dann später erfahren, dass die Kulturwoche geschlossen wurde.

Sicher zurück von der Nilpferdbeobachtung
Die Nilpferdbesichtigung war auf jeden Fall trotzdem lässig. Ein Fischerboot wäre zwar fast untergegangen und wir mussten am See Passagier wechseln aber das hat es nur umso lustiger gemacht.


Tja, und das waren so ziemlich die Highlight aus Burkina. Am nächsten Tag sind wir zurück nach Ouagadougou gefahren und von dort zurück nach Europa. Ach ja, da war noch kurz der Zwischenfall mit dem geschlossenen Flughafen in Brüssel, der uns etwas Kopfzerbrechen bereitet hat. Aber schlussendlich hat sich alles gut ergeben.

Später folgen mehr Bilder.

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