Das ist wohl eine der ersten und
meistgestellten Fragen, die ich hier bekomme. Mittlerweile habe ich mir eine
pauschale Antwort angeeignet: Ja, natürlich mag ich Kairo und Ägypten! Worauf
dann logischerweise die (oftmals ungläubige) Frage nach dem Warum kommt.
Was ich an Kairo wirklich toll
finde, ist, dass immer etwas los ist. Die Stadt scheint nicht zu Ruhen und man
findet einfach immer was zu tun. Immer sind Leute auf den Straßen und das Leben
geht ohne Pause weit... Ok, eine kleine Ausnahme ist Freitag vor dem Gebet, da
sind die Straßen einmal pro Woche für ein paar Stunden wie ausgestorben. Aber
die restliche Zeit geht alles ohne Pardon weiter. Dass man Samstags noch
schnell vor 6 Uhr zu irgendeinem Supermarkt muss, damit man am Sonntag nicht
ohne Essen da steht, ist hier unvorstellbar. Man findet zu jeder Zeit einen
offenen Laden.
Meine durchaus positive Antwort
stößt dann öfters auf Überraschung, oft werde ich auch gefragt, was mich an
Ägypten stört. Da gibt es natürlich auch einiges. Hauptpunkt ist eindeutig die
Belästigung auf den Straßen, vor allem (aber nicht nur) wenn ich alleine oder
mit Mädls unterwegs bin. Das reicht von lächerlichen „Welcome!“-Rufen über
blöde arabische Anmach-Sprüche (die ich bis jetzt zum Glück nicht wirklich
verstehe) bis hin zu Typen, die neben mir hergehen und penetrant versuchen ein
Gespräch anzufangen. Was mich jedoch am meisten aufregt sind „bssst, bssst,
bsssst“ Geräusche, bei denen Frau sich vorkommt als wäre sie ein Tier! ... Aber
naja, das Ganze machen leider zu viele Idioten wodurch es faktisch unmöglich
ist sich jedes Mal mächtig drüber aufzuregen. Komplettes Ignorieren scheint daher
leider am sinnvollsten. Mit der Zeit wird man ziemlich gut darin.
Und man muss natürlich sagen, dass
auch wenn diese Seite Ägyptens sehr offensichtlich ist und schnell Erwähnung
findet, es sehr, sehr viele Ägypter gibt, die so ein Verhalten stark
verurteilen. Mittlerweile habe ich doch auch lokalen Anschluss gefunden und alle
Einheimischen, die ich bis jetzt kennengelernt habe, waren total nett und
aufgeschlossen. Verglichen mit dem Leben in Europa bin ich natürlich
vorsichtiger mit wem ich spreche und wie ich mich ihm gegenüber verhalte. Aber
auch hier sind viele Menschen sehr hilfsbereit und freundlich. Man muss halt
nur ein gewisses Feingefühl entwickeln um zu wissen wo bestimmte Grenzen liegen
bzw. wann man Grenzen setzten muss.
Was ich bis jetzt außerdem noch gar
nicht erwähnt habe, ist, wie schön Kairo eigentlich ist! Das fällt mir vor
allem seit letzter Woche auf, da habe ich mein Praktikum begonnen. Seitdem gehe
ich jeden Tag ca. 30min von meiner Wohnung den Nil entlang zu meiner Arbeit und
danach wieder zurück. In der Früh genieße ich dabei die frische Morgenluft und
am Heimweg taucht die untergehende Sonne alles irgendwie in eine friedliche
Stimmung. Natürlich liegt überall viel Müll herum, man muss aufpassen wo man
hintritt, die Luftverschmutzung ist sehr hoch und alles ist viel dreckiger als
wir es in Österreich gewohnt sind. Aber die vielen Straßenverkäufer, kleinen
Essensstände, die Kinder auf dem Schulweg, der Betrieb rund um das Krankenhaus,
die Menschen vor der Moschee, die auf Teppichen am Boden sitzen, und die
Kinder, die mit ihren Eselskarren am Weg zu irgendeinem Markt von unzähligen
Autos überholt werden, machen Kairo einfach zu einer extrem lebhaften und
unglaublich schönen Stadt!!


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