Mittwoch, 6. Mai 2015

Magst du Kairo??


Das ist wohl eine der ersten und meistgestellten Fragen, die ich hier bekomme. Mittlerweile habe ich mir eine pauschale Antwort angeeignet: Ja, natürlich mag ich Kairo und Ägypten! Worauf dann logischerweise die (oftmals ungläubige) Frage nach dem Warum kommt.

Was ich an Kairo wirklich toll finde, ist, dass immer etwas los ist. Die Stadt scheint nicht zu Ruhen und man findet einfach immer was zu tun. Immer sind Leute auf den Straßen und das Leben geht ohne Pause weit... Ok, eine kleine Ausnahme ist Freitag vor dem Gebet, da sind die Straßen einmal pro Woche für ein paar Stunden wie ausgestorben. Aber die restliche Zeit geht alles ohne Pardon weiter. Dass man Samstags noch schnell vor 6 Uhr zu irgendeinem Supermarkt muss, damit man am Sonntag nicht ohne Essen da steht, ist hier unvorstellbar. Man findet zu jeder Zeit einen offenen Laden.


Meine durchaus positive Antwort stößt dann öfters auf Überraschung, oft werde ich auch gefragt, was mich an Ägypten stört. Da gibt es natürlich auch einiges. Hauptpunkt ist eindeutig die Belästigung auf den Straßen, vor allem (aber nicht nur) wenn ich alleine oder mit Mädls unterwegs bin. Das reicht von lächerlichen „Welcome!“-Rufen über blöde arabische Anmach-Sprüche (die ich bis jetzt zum Glück nicht wirklich verstehe) bis hin zu Typen, die neben mir hergehen und penetrant versuchen ein Gespräch anzufangen. Was mich jedoch am meisten aufregt sind „bssst, bssst, bsssst“ Geräusche, bei denen Frau sich vorkommt als wäre sie ein Tier! ... Aber naja, das Ganze machen leider zu viele Idioten wodurch es faktisch unmöglich ist sich jedes Mal mächtig drüber aufzuregen. Komplettes Ignorieren scheint daher leider am sinnvollsten. Mit der Zeit wird man ziemlich gut darin.

Und man muss natürlich sagen, dass auch wenn diese Seite Ägyptens sehr offensichtlich ist und schnell Erwähnung findet, es sehr, sehr viele Ägypter gibt, die so ein Verhalten stark verurteilen. Mittlerweile habe ich doch auch lokalen Anschluss gefunden und alle Einheimischen, die ich bis jetzt kennengelernt habe, waren total nett und aufgeschlossen. Verglichen mit dem Leben in Europa bin ich natürlich vorsichtiger mit wem ich spreche und wie ich mich ihm gegenüber verhalte. Aber auch hier sind viele Menschen sehr hilfsbereit und freundlich. Man muss halt nur ein gewisses Feingefühl entwickeln um zu wissen wo bestimmte Grenzen liegen bzw. wann man Grenzen setzten muss. 


Was ich bis jetzt außerdem noch gar nicht erwähnt habe, ist, wie schön Kairo eigentlich ist! Das fällt mir vor allem seit letzter Woche auf, da habe ich mein Praktikum begonnen. Seitdem gehe ich jeden Tag ca. 30min von meiner Wohnung den Nil entlang zu meiner Arbeit und danach wieder zurück. In der Früh genieße ich dabei die frische Morgenluft und am Heimweg taucht die untergehende Sonne alles irgendwie in eine friedliche Stimmung. Natürlich liegt überall viel Müll herum, man muss aufpassen wo man hintritt, die Luftverschmutzung ist sehr hoch und alles ist viel dreckiger als wir es in Österreich gewohnt sind. Aber die vielen Straßenverkäufer, kleinen Essensstände, die Kinder auf dem Schulweg, der Betrieb rund um das Krankenhaus, die Menschen vor der Moschee, die auf Teppichen am Boden sitzen, und die Kinder, die mit ihren Eselskarren am Weg zu irgendeinem Markt von unzähligen Autos überholt werden, machen Kairo einfach zu einer extrem lebhaften und unglaublich schönen Stadt!!

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