Donnerstag, 17. September 2015

Warschau

 Lange hatten wir schlussendlich aber eh nicht Zeit das Studentenleben und unsere neue Wohnung zu genießen. Nach einer Woche sind wir schon in den nächsten Flieger gestiegen – dieses Mal nach Warschau. Dort hat nämlich das Intensive Program von NOHA stattgefunden, bei dem alle NOHAs der 8 Unis zusammengekommen sind (ca. 140). Prinzipiell lief das Ganze wie eine ein-wöchige Konferenz ab. Jeden Tag ca. 8h Vorträge und Workshops zu verschiedenen Themen von Humanitarian Action. War (fast) alles interessant aber sehr (zu!) intensiv.

Natürlich kam das Soziale nicht zu kurz. Einerseits lernten wir die NOHAs von Uppsala besser kennen (alle sehr cool!!), andererseits war es auch interessant mit den NOHAs der anderen Unis zu sprechen, vor allem mit denen vom 2. Semester. Von Warschau selbst haben wir leider nicht so viel gesehen, außer mal abends bei einem Bier oder so. Was wir von der Innenstadt gesehen haben, war aber sehr schön.

Das Highlight der Woche war für Alle aber eindeutig der „Simulation day“, der am vorletzten Tag stattfand. Mit einem Bus wurden wir zu einem Übungsplatz des polnischen Militärs gefahren und in Gruppen eingeteilt. Der Himmel war grau und es hat immer wieder geregnet, perfekte Stimmung also. Den ganzen Tag durchliefen wir dann verschiedene Stationen, die mögliche Aspekte in Krisenregionen veranschaulichten und uns ein paar Tipps & Tricks für deren Bewältigung boten.  

Die erste Station von meiner Gruppe war gleich einmal ein möglicher Granaten- oder Bombenwurf in unserer Umgebung und wie man sich dabei verhält. Also mussten wir uns gleich in der Früh bei strömenden Regen alle irgendwo in der Pampa so schnell wie möglich auf den Boden werfen und dann in Sicherheit laufen, krabbeln oder robben (je nach Situation versteht sich). Bei der Zündung des ersten Krachers/Feuerwerks (?? ... auf jeden Fall hat es laut geknallt) waren wir alle ziemlich überrascht und nahmen es von da an auch ernster. 

Nach einer Stunde hieß es dann Wechsel. Die Anweisung für die nächste Übung war, einfach nur in ein verlassenes Haus zu gehen (mittlerweile nahmen wir Anweisungen ernst ;)). Im Haus kamen dann maskierte, bewaffnete Männer auf uns zu und wir wurden Geisel genommen. Wir haben es schon geahnt aber dann tatsächlich in der Situation zu sein, ist doch nochmal was anderes. Kartoffelsack über den Kopf, Hände gefesselt und dann wurden wir in einen anderen Teil des Hauses geführt, wo wir die restliche Zeit eigentlich nur gewartet haben (in verschiedenen Positionen), mit einzelnen Verhören. War auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, ein Mädl ist ziemlich ausgeflippt und hat zu weinen angefangen (so schlimm war es aber echt nicht!). 

Andere Übungen waren nicht so „wild“. Uns wurde gezeigt, wie man Kompass und Karte verwendet (juhuu kann ich schon), es gab eine Erste Hilfe Einheit, Verhalten wenn man von einem Hund angegriffen wird, Selbstverteidigung, was macht man bei einem Checkpoint und wie kommt man so schnell wie möglich aus einem Auto. 

Beim Lagerfeuer am Ende des Tages konnten wir uns dann aufwärmen und Kräfte auftanken, Geschichten wurden ausgetauscht und Pläne für den restlichen Abend/die Nacht wurden geschmiedet. Immerhin war es unser letzter gemeinsamer Abend in Warschau und das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis musste ausgenutzt werden... demensprechend mühsam war das Aufstehen und die Heimreise am nächsten Tag.

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