Freitag, 19. Juni 2015

Nachtrag: Dahab!


Aly & Youssef
Etwas verspätet ein Beitrag über meinen Urlaub in Dahab. Nachdem ich schon über ein Monat in meinem Praktikum gearbeitet habe (was bedeutet täglich 8h vor dem PC zu sitzen), war es Zeit für Urlaub. Das Wetter wird immer wärmer und so habe ich beschlossen mit ein paar Freunden nach Dahab zu fahren. Der kleine Ort liegt am Roten Meer im Sinai, wodurch ich von meiner Praktikumsstelle einen Wisch unterschreiben musste, in dem ich bestätige, dass ich gegen ihre Empfehlung hinfahre und sie im Schadensfall keine Verantwortung tragen. Klingt dramatischer als es ist. Am 1. Juni ging es dann los:

Um ca. Mitternacht fährt der Bus los, kurz darauf steigen Aly & Joussef dazu und nach anfänglichem Geplauder stelle ich mich auf Schlafen ein. Es stellt sich aber heraus, dass das gar nicht so einfach ist – insgesamt bleiben wir bei 11 Checkpoints stehen und unsere Ausweise werden kontrolliert, 1 Mal muss der ganze Bus aussteigen und das Gepäck wird überprüft. Mittelmäßig erholt und mit Verspätung kommen wir dann um 9 in der Früh in Dahab an – egal, wir sind ja auf Urlaub :)
 
Blick aus dem Hotel
Wir werden von Ibrahim (einem Freund, von einem Freund, von einem Freund etc.) am Bahnhof abgeholt und zu einem kleinen Hotel direkt am Meer gebracht. Schnell wird auch noch ein Spezialpreis für uns ausgehandelt. Ich mag Dahab schon jetzt! Dann erst Mal frühstücken in einem typisch ägyptischen Lokal. Wir sind alle eher fertig und der restliche Tag besteht aus chillen. Am Nachmittag gehen wir an den Strand und JA ich kann im Bikini baden! Ist am Anfang ein bisschen strange aber wirklich angenehm. Außerdem sind so viele halbnackte Russinnen unterwegs, dass ich mir im Vergleich dazu konservativ vorkomme. 

Plan B
Am nächsten Tag gehen wir schon am Vormittag an den Strand, am Nachmittag treffen wir Rebecca (D) und fahren um 4 Uhr los Richtung Abou Ghaloum, einem kleinen Bedouinen Dorf direkt am Meer, in dem wir übernachten wollen. Leider macht uns aber ein Checkpoint einen Strich durch die Rechnung – sie lassen uns nicht durch weil es zu spät ist. 

Ziemlich ärgerlich aber als Plan B fahren wir zu einem anderen Strand und werden später von Ibrahim zu sich nach Hause eingeladen. Er ist Chefkoch in einem noblen Hotel und kocht für uns Kalamari und Fisch in seiner Wohnung. Plan B war also auch nicht so schlecht!

Donnerstag Morgen kommt David (MEX) aus Kairo nach und wir verbringen den Tag am Meer, schwimmen, schnorcheln und chillen mit Bier auf einer Dachterrasse. Alles sehr entspannt, da wir am Abend um 11.30 nach St.Catherine fahren. 

Chillen auf der Dachterrasse
St.Catherine ist ein Kloster am Fuß des Berg Sinai (bzw. Mosesberg, auf dem Moses angeblich seine 10 Thesen von Gott bekommen haben soll) und der Ausgangspunkt für eine spektakuläre Wanderung. Um 2 Uhr Nachts kommen wir mit unserem Kleinbus an. Wieder gibt es natürlich ein paar Checkpoints, nach dem Letzten können wir dann endlich losgehen. Es ist dunkel, der Mond ist jedoch so groß, dass wir keine Taschenlampen brauchen. Eigentlich sind wir mit einer kleinen Reisegruppe gekommen, bald wählen Rebecca, Youssef, David und ich aber unser eigenes Tempo und überholen noch ein paar Gruppen, die vor uns losgegangen sind (Aly bleibt bei der Reisegruppe). Die Lichter von den Taschenlampen wollen wir echt nicht haben, schnaufende Leute vor uns schon gar nicht. Die Landschaft im Mondschein und mit Sternenhimmel ist unglaublich schön! 


Geschafft! Rebecca, Youssef, ich und David am Gipfel
Nach 1,5h kommen wir doch etwas erschöpft am Gipfel an. Viel zu früh wie sich herausstellt, denn die Sonne geht erst um ca. halb 5 auf. Zumindest sind (fast) keine Leute oben und wir können uns den besten Platz sichern. Beim Warten auf 2285Hm wird es dann aber doch ziemlich kalt. Die Beduinen, die Decken verkaufen und verleihen, machen bei den nach und nach ankommenden Leuten auf jeden Fall ein gutes Geschäft! Beim Sonnenaufgang ist der Gipfel dann extrem voll. Unsere Platzwahl war perfekt und der Moment könnte nicht besser sein. Ich glaube ich habe noch nie einen so schönen Sonnenaufgang erlebt!

Kurz darauf strömen die Massen auch schon wieder nach unten. Wir warten lieber noch ein bisschen und genießen den Ausblick auf die umliegenden Berge. Der Abstieg über einen anderen Weg bietet unglaublich schöne Steinformationen, die von den teilweise sehr tollpatschigen Leuten ablenken. Mit ein bisschen Trittsicherheit können wir die Meisten aber abseits vom Weg überholen. 

Warten auf den Sonnenaufgang
Um 7 sind wir dann zurück beim Kloster und streunen durch die Gärten. Wir entdecken einen kleinen Eingang und versuchen unser Glück, werden aber von einem Mann hinausgescheucht – das Kloster öffnet erst um 9 für Besucher.  Dann ruft uns jedoch ein Priester nach und fragt, ob wir hier sind um das Kloster zu sehen und ob wir mit den anderen Priestern gemeinsam frühstücken wollen. Natürlich gerne! 

Blick auf das Kloster beim Abtieg
Ich bin nur mit David unterwegs, die Anderen haben ein gemütlicheres Tempo für den Rückweg gewählt, und wir werden durch verschiedene Gänge und Gassen zu einem Raum gebracht, in dem schon ein paar Priester sitzen. Tee und Cafe wird uns angeboten und ägyptische Süßspeisen stehen auf dem Tisch – unsere Mägen knurren. Wir sind die einzigen Touristen und haben keine Ahnung, wie wir uns verhalten sollen. Mit einem Priester gelingt ein kurzes Gespräch auf Englisch (es wird Griechisch im Kloster gesprochen, unser Arabisch ist nutzlos), die meiste Zeit sitzen wir aber schweigend in unserm Teil des Zimmers, während die Priester auf der anderen Seite sitzen. Nach dem Frühstück bedanken wir uns herzlich und werden von einem Mann hinausgeführt. Eine wirklich einzigartige Erfahrung! Wir sind baff und können unser Glück kaum glauben. 

Frühstück im Kloster
Kurz darauf treffen wir Rebecca und Youssef, Aly kommt auch bald. Die Rückreise zögert sich dann in die Länge, weil irgendein Checkpoint beschlossen hat, Autos erst ab 11 durch zu lassen – Ägypten eben. Zum Glück haben wir bei den Priestern gefrühstückt, die Anderen kaufen sich was bei einem überteuerten Kiosk. Der Schlafmangel macht sich jedoch bemerkbar und wir sind froh, als wir endlich im Bus sind. Auf der Fahrt entschließen wir dann spontan am selben Tag nach Abou Ghaloum zu fahren. So leicht wollen wir uns nicht geschlagen geben und es ist die letzte mögliche Nacht bevor ich zurück nach Kairo muss. Rebecca ruft einen Kontakt an und innerhalb von einer halben Stunde ist alles organisiert.
 
Frühstück bei unserem Lieblingslokal

Aly ist zu fertig um mitzumachen. Er ist physisch wirklich an und über seine Grenzen gegangen, ich war positiv überrascht ihn am Gipfel zu sehen aber danach war er nicht mehr wirklich ansprechbar. Nach dem Essen bei unserem Lieblingsägypter und einer Dusche geht es dann auch schon wieder los. Dieses Mal sind wir um 3 Uhr beim Checkpoint und um die Info schlauer, dass wenn man (angeblich) in einem hinter dem Kontrollposten liegenden Hotel übernachtet, zu jeder Zeit durchgelassen wird. Also alles easy, wir dürfen durch. 

Wir und die Kamele
Nach 10min kommen wir beim „Blue Hole“, einem Schnorchel- & Tauchparadies, an. Hier warten 4 Kamele und 2 Beduinenjungen auf uns und wir satteln auf. Die Kinder führen uns sicher nach Abou Ghaloum. Der wunderschöne Weg – auf der einen Seite Wasser, auf der anderen Felswände – dauert über eine Stunde und beim Absteigen schmerzen meine Oberschenkel ziemlich – ich will nicht wissen wie das für David & Youssef ist! Das Dorf besteht aus vielen kleinen Strohhütten direkt am Meer und es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Wir bekommen zwei nebeneinander liegende Zimmer zugewiesen, direkt vor unserer Hütte ist eine überdachte Polsterecke mit Tisch – ziemlich chillig! Nach dem Schwimmen im glasklaren Wasser wird es langsam dunkel. Bei Kerzenschein bekommen wir unser Abendessen und lassen den Tag ausklingen. Es ist so entspannt, dass niemand wirklich schlafen gehen möchte. Wir sind aber gleichzeitig so fertig von den vergangenen Ereignissen, dass wir schon um ca. 11 aufgeben und augenblicklich auf den Matratzen am Boden einschlafen. Ich habe selten so gut geschlafen!

Am Morgen durchdringen Sonnenstrahlen von allen Seiten das Zimmer und ein leichter Wind bewegt die Strohhalme, was ein angenehmes Geräusch erzeugt. Ich will nie mehr von hier weg! Zum Aufwachen schwimmen wir im Meer, danach werden wir von Ahmed, einem Beduinen und Wakeboarding-Lehrer, auf einen Cafe eingeladen. Und irgendwie endet es damit, dass wir alle Yoga machen! Ein unglaublicher Ort, leider warten aber schon unsere Kamele auf uns und wir reiten (mit Schmerzen ;)) zurück zum Blue Hole. 

Coming back Inshaallah!
Dort angekommen, treffen wir Aly und noch ein paar Freunde. Natürlich gehen schnorcheln und es wird klar wieso der Ort so berühmt ist – die Artenvielfalt und Farben unter Wasser sind unbeschreiblich atemberaubend! 

Am Abend sind wir dann wieder zurück in Dahab. Es ist schon mein letzter Abend und in der Nacht geht der Bus zurück nach Kairo. Wenn ich könnte, würde ich länger bleiben aber auch so waren es ein paar unvergessliche Tage! (Und ich habe auf der Rückfahrt praktisch durch geschlafen – Checkpoints hin oder her, es war eine sehr intensive Zeit!)

1 Kommentar:

Rakouza hat gesagt…

Ein Wahnsinn, das war ja wirklich ein genialer Kurzurlaub. Wir sind ein bisschen neidisch und mittlerweile wieder im Alltag.
LG papatom

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