Halbzeit beim einmonatigen Fasten
der Muslime und Musliminnen - Grund genug einen neuen Post zu schreiben.
Seit ich in Kairo bin habe ich immer
wieder unterschiedliche Meinungen und Aussagen zum Ramadan bekommen: Alles wird
still stehen, nichts wird funktionieren; der Verkehr wird total angenehm; Taxi
fahren wird schrecklich; die Leute werden schlecht gelaunt sein; die Leute
werden total freundlich sein; die Kleidungsnormen werden noch konservativer; das
Nachtleben wird aufblühen; usw... Nachdem sich viele der Aussagen
offensichtlich widersprachen, war ich deshalb wirklich gespannt, wie das Leben
ab dem 18. Juni sein würde.
Am Abend des 17. traf ich mich mit
ein paar Freunden in einem open air Cafe/Lokal (Bait Zeinab Khatoun), wie
gewöhnlich um gemütlich Tee zu trinken. Die Stimmung war jedoch spürbar anders
– alles war total voll, die Straßen und Cafes waren durch Lichterketten und
andere Verzierungen (u.a. Ramadan-Lampen) geschmückt und die Stimmung war
ausgelassener als sonst – Ramadan lag in der Luft. Und so gingen wir auch nicht
wie gewohnt ab 12 Heim, sondern machten uns gegen halb 2 auf Lokalsuche. Denn
um 2 aßen wir „sohoor“, die letzte Mahlzeit bevor die Gläubigen um 3 mit
Klängen aus den Minaretten zu fasten beginnen.
Von 3 Uhr in der Nacht bis 7 Uhr am
Abend dürfen sie dann weder Essen noch trinken. Die Fastenzeiten hängen dabei
immer von der Tageslänge ab, gefastet wird vom Beginn der Morgendämmerung, die
in Ägypten eben schon um 3 ist, bis zum Eintreten der Dunkelheit. Dieses Jahr
ist es besonders schwer, weil in die Fastenzeit der längste Tag des Jahres
fällt.
Bemitleiden muss man die Fastenden
aber trotzdem nicht. Es ist ja ihre eigene Entscheidung, sie wollen damit Gott
näher kommen. Tatsächlich ist es so, dass der Großteil der ÄgypterInnen fastet.
Ich kenne fast niemanden, der/die nicht fastet (und dies zugibt ;)).
Für mich persönlich hat sich nicht
wirklich viel geändert. Der Verkehr während dem Tag ist wirklich besser, das
über-die-Straße-gehen ist schon fast entspannt und Taxi fahre ich generell
selten, ist aber kein Problem. Zur Iftar-Zeit, also wenn das Fasten um ca. 7
gebrochen wird, sind die Straßen komplett leer, was in Kairo, der Stadt des
endlosen Verkehrs, schon sehr eigenartig ist.
Auch meine Arbeitszeiten sind gleich
geblieben und nicht so wie bei den ÄgypterInnen auf 6h reduziert worden. Ist
halt die Frage, ob es besser ist 8h mit Essen und Trinken zu arbeiten oder 6h
und komplett zu fasten ;)
Einen Tag habe ich es dann auch
probiert. Nachdem ich letzten Donnerstag eh auf einer Party war und deshalb um
2 in der Früh mit ein paar Freunden spontan Sohoor gegessen habe, hat es sich
gut ergeben. Da ich Freitag frei habe, hat das Ausschlafen mein Fasten schon
mal erträglicher gemacht. In Wahrheit war es gar nicht so schlimm, nur etwas
eigenartig, sich daran zu erinnern, nicht zum Kühlschrank zu gehen und ein Glas
Wasser zu trinken. Nachmittags sind dann Freunde zum Klavierspielen vorbei
gekommen (ja, in meiner Wohnung steht ein Klavier!) und gemeinsam fasten ist
echt ok. Das Fastenbrechen in einem Straßenlokal mit gegrilltem Huhn und Reis
war dann auch echt gut! Das Beste war aber eindeutig Wasser!!
Ein netter Nebeneffekt von Ramadan ist außerdem,
dass es total viele kulturelle Angebote gibt. Entweder um sich während dem
Fasten zu beschäftigen oder um die Nacht in vollen Zügen zu genießen. Am 25.
Juli war ich zum Beispiel auf einen richtig lässigem Event im Azhar Park, dem
größten Park in Kairo. Das französische Kulturinstitut hat das jährliche „Fete
de la Musique“ veranstaltet und unterschiedliche Bands, Chöre, Ensembles und
Künstler eingeladen, die auf verschiedenen Kleinbühnen im Park aufgetreten
sind. Das Highlight waren 2 Konzerte auf der Hauptbühne am Ende des Abends. Die
Stimmung war unglaublich gut!




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