Donnerstag, 2. Juli 2015

Ramadan kareem!

Halbzeit beim einmonatigen Fasten der Muslime und Musliminnen - Grund genug einen neuen Post zu schreiben.


Seit ich in Kairo bin habe ich immer wieder unterschiedliche Meinungen und Aussagen zum Ramadan bekommen: Alles wird still stehen, nichts wird funktionieren; der Verkehr wird total angenehm; Taxi fahren wird schrecklich; die Leute werden schlecht gelaunt sein; die Leute werden total freundlich sein; die Kleidungsnormen werden noch konservativer; das Nachtleben wird aufblühen; usw... Nachdem sich viele der Aussagen offensichtlich widersprachen, war ich deshalb wirklich gespannt, wie das Leben ab dem 18. Juni sein würde.

Am Abend des 17. traf ich mich mit ein paar Freunden in einem open air Cafe/Lokal (Bait Zeinab Khatoun), wie gewöhnlich um gemütlich Tee zu trinken. Die Stimmung war jedoch spürbar anders – alles war total voll, die Straßen und Cafes waren durch Lichterketten und andere Verzierungen (u.a. Ramadan-Lampen) geschmückt und die Stimmung war ausgelassener als sonst – Ramadan lag in der Luft. Und so gingen wir auch nicht wie gewohnt ab 12 Heim, sondern machten uns gegen halb 2 auf Lokalsuche. Denn um 2 aßen wir „sohoor“, die letzte Mahlzeit bevor die Gläubigen um 3 mit Klängen aus den Minaretten zu fasten beginnen. 

Bait Zeinab Kathoun
Von 3 Uhr in der Nacht bis 7 Uhr am Abend dürfen sie dann weder Essen noch trinken. Die Fastenzeiten hängen dabei immer von der Tageslänge ab, gefastet wird vom Beginn der Morgendämmerung, die in Ägypten eben schon um 3 ist, bis zum Eintreten der Dunkelheit. Dieses Jahr ist es besonders schwer, weil in die Fastenzeit der längste Tag des Jahres fällt.
Bemitleiden muss man die Fastenden aber trotzdem nicht. Es ist ja ihre eigene Entscheidung, sie wollen damit Gott näher kommen. Tatsächlich ist es so, dass der Großteil der ÄgypterInnen fastet. Ich kenne fast niemanden, der/die nicht fastet (und dies zugibt ;)).

Für mich persönlich hat sich nicht wirklich viel geändert. Der Verkehr während dem Tag ist wirklich besser, das über-die-Straße-gehen ist schon fast entspannt und Taxi fahre ich generell selten, ist aber kein Problem. Zur Iftar-Zeit, also wenn das Fasten um ca. 7 gebrochen wird, sind die Straßen komplett leer, was in Kairo, der Stadt des endlosen Verkehrs, schon sehr eigenartig ist.
Auch meine Arbeitszeiten sind gleich geblieben und nicht so wie bei den ÄgypterInnen auf 6h reduziert worden. Ist halt die Frage, ob es besser ist 8h mit Essen und Trinken zu arbeiten oder 6h und komplett zu fasten ;)

Einen Tag habe ich es dann auch probiert. Nachdem ich letzten Donnerstag eh auf einer Party war und deshalb um 2 in der Früh mit ein paar Freunden spontan Sohoor gegessen habe, hat es sich gut ergeben. Da ich Freitag frei habe, hat das Ausschlafen mein Fasten schon mal erträglicher gemacht. In Wahrheit war es gar nicht so schlimm, nur etwas eigenartig, sich daran zu erinnern, nicht zum Kühlschrank zu gehen und ein Glas Wasser zu trinken. Nachmittags sind dann Freunde zum Klavierspielen vorbei gekommen (ja, in meiner Wohnung steht ein Klavier!) und gemeinsam fasten ist echt ok. Das Fastenbrechen in einem Straßenlokal mit gegrilltem Huhn und Reis war dann auch echt gut! Das Beste war aber eindeutig Wasser!!

Ein netter Nebeneffekt von Ramadan ist außerdem, dass es total viele kulturelle Angebote gibt. Entweder um sich während dem Fasten zu beschäftigen oder um die Nacht in vollen Zügen zu genießen. Am 25. Juli war ich zum Beispiel auf einen richtig lässigem Event im Azhar Park, dem größten Park in Kairo. Das französische Kulturinstitut hat das jährliche „Fete de la Musique“ veranstaltet und unterschiedliche Bands, Chöre, Ensembles und Künstler eingeladen, die auf verschiedenen Kleinbühnen im Park aufgetreten sind. Das Highlight waren 2 Konzerte auf der Hauptbühne am Ende des Abends. Die Stimmung war unglaublich gut!



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