Donnerstag, 23. Juli 2015

Abschied von Kairo.

So schnell kanns gehen – auf einmal sind knapp 4 Monate vergangen! So richtig glauben kann ich es noch immer nicht, dass ich Kairo in ein paar Tagen verlasse. Das Ganze wirkt so surreal und obwohl ich mir jetzt immer wieder vor Augen halte, dass ich das letzte Mal meinen gewohnten Arbeitsweg gehe, das letzte Mal bei meinem Stamm-Supermarkt einkaufe oder das letzte Mal in meinem Lieblings-Ahwa (Cafe) Tee mit Minze bestelle, realisiere ich es nicht wirklich. Mittlerweile sollte ich diese Situation ja schon kennen, immerhin ist es nicht das erste Mal, dass ich nach längerer Zeit einen liebgewonnenen Ort verlasse. Aber bei Kairo ist es doch nochmal ganz anders.

Vielleicht liegt es an der komplett anderen Lebensweise, an die ich mich mittlerweile (relativ) gewöhnt habe, und die mir viel entspannter vorkommt als jene im vergleichsweise kalten und leistungsorientierten Europa (ok ich gebe zu, etwas plakativ und stereotypisierend ausgedrückt…). 

Das Leben hier läuft einfach weniger strickt und weniger nach Plan ab, was natürlich nicht nur positiv gesehen werden kann (!), aber oft sehr viel Druck nimmt. Trotzdem freue ich mich aber auch schon wieder auf das relativ vorhersehbare Leben in Europa und ich bin nicht so wirklich überzeugt, dass dieses Argument der Grund ist, weshalb mir der Abschied aus Kairo so schwer fällt.

Sicherlich spielen die Freunde, die ich mir hier gemacht habe, eine sehr wichtige Rolle im schweren Abschied. Von Beginn an wurde ich sehr herzlich empfangen und konnte mir schnell einen Freundeskreis aufbauen. Nur durch diese lieben Menschen habe ich wirklich Anschluss zur Kultur und Lebensweise bekommen, wurde zu Veranstaltungen mitgenommen und konnte selbst erfahren, wie das Leben für Leute in meinem Alter in Ägypten ist. Ohne sie alle wäre meine Zeit in Kairo nur ein Zehntel von dem, was es war! Doch auch wenn ich sie sehr vermissen werde, kenne ich dieses Gefühl schon von anderen Auslandsaufenthalten. Es sind immer die Leute, die man kennenlernt, die eine besonders schöne Zeit ausmachen und mir ist es bis jetzt in jedem Land so ergangen. Wieso ist Kairo also anders?

Schlussendlich liegt es wahrscheinlich an der Anziehungskraft der mir noch immer relativ fremden Kultur und dem damit einhergehenden Wissen, dass ich noch viel mehr Zeit hier benötige um die Gesellschaft und die Kultur auch nur ansatzweise zu verstehen. Dazu kommt natürlich auch, dass mein Arabisch noch lange nicht auf einem Level ist, mit dem ich zufrieden wäre. Wenn ich jetzt von Kairo abfliege, habe ich das Gefühl, noch nicht das erreicht zu haben, wofür ich eigentlich gekommen bin. Das Praktikum und die 4 Monate waren auf jeden Fall ein guter Einstieg und eine wertvolle Erfahrung. Tief in mir drinnen weiß ich jedoch, dass das nicht Alles gewesen sein kann!

Es gibt ein ägyptisches Sprichwort: „Wer einmal vom das Wasser des Nil trinkt, kehrt immer wieder zurück…“ Und daher: BIS ZUM NÄCHSTEN MAL, KAIRO!

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