Mein Praktikum neigt sich dem Ende
zu und so wurde es Zeit meine Urlaubstage aufzubrauchen. Außerdem ist mein
Visum längst abgelaufen... Es war also Zeit, das Land zu verlassen. Der
eigentliche Plan war 6 Tage nach Israel und Palästina zu fliegen, es hat sich
aber herausgestellt, dass die Flüge extrem teuer sind. Plan B war deshalb
Beirut – der Flug war um die Hälfte günstiger und ich habe von ein paar
Freunden positive Berichte über die Stadt bekommen.
Der erste Tag in Beirut war mit
einem ziemlichen Kulturschock verbunden. Muslime und Christen halten sich in
der Stadt ungefähr die Waage und das merkt man am Lebensstil. Mädls sind in
sehr, sehr kurzen Shorts und Miniröcken unterwegs, auf der Straße wird Alkohol
getrunken, alle Geschäfte sind offen (von Ramadan keine Spur) und das
Nachtleben ist sehr freizügig. So liberal habe ich mir Beirut nicht
vorgestellt!
Ich bin in einem Hostel unter
gekommen und habe dadurch natürlich sofort Leute kennengelernt. Am zweiten Tag
ging es daher gleich nach Biblos, einem Dorf nördlich von Beirut, in dem Ruinen
und eine alte Festung stehen. War alles schön zu sehen, das Beste war aber auf
jeden Fall die Hin- und Rückreise per Minibus!
Aber natürlich bin ich nicht NUR auf
der faulen Haut gelegen. Die Highlights des Urlaubs waren eindeutig das
Hisbollah Museum in Amitla (südlich von Beirut) und der Besuch einer NGO im
Flüchtlingsviertel von Beirut, die von syrischen Flüchtlingen gegründet und
geführt wird.
Alles in
Allem war es also eine echt schöne Woche! ... Und trotzdem bin ich mit dem
Fazit zurück nach Kairo geflogen, dass mir die Metropole am Nil sehr viel
besser gefällt als Beirut!
![]() |
| Mosche und Kirche Seite an Seite |
Warum? Das
Leben in Beirut ist auf jeden Fall einfacher, sehr viel liberaler als in Kairo
und mit weit weniger Belästigung verbunden. Aber es ist auch sehr viel teurer
(mindestens österreichische Preise) und unpersönlicher, „westlicher“. In Kairo
spielt sich das Leben in der Straße ab (auch wenn natürlich kein Alkohol auf
der Straße getrunken wird) und die Leute sind generell sehr freundlich und hilfsbereit.
Natürlich gibt es viel mehr Armut und sexuelle Belästigung in Kairo aber
schussendlich sind es die Leute und die Atmosphäre, die eine Stadt ausmachen.
Und die finde ich in Kairo eindeutig sympathischer als in Beirut!
Ich habe
mich daher also richtig gefreut, als ich wieder in Kairo gelandet bin und mit
den wartenden Taxifahrern am Flughafen auf Arabisch/English um den Preis
gefeilscht habe. Als ich dann im Stau mit meinem Fahrer ein paar Worte
ausgetauscht habe, lies rundherum die wohlbekannte Mischung aus Staub, Hitze
und konstantem Hupen grüßen. Und genau in diesem Moment (und durch die Zeit in
Beirut) wurde mir klar, dass Kairo „meine“ Stadt ist!
Und gleichzeitig
rückt der Abschied unweigerlich näher…
(Bilder werden nachgeliefert, muss sie selbst erst bekommen)



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen