Sonntag, 12. Juli 2015

Beirut.

Mein Praktikum neigt sich dem Ende zu und so wurde es Zeit meine Urlaubstage aufzubrauchen. Außerdem ist mein Visum längst abgelaufen... Es war also Zeit, das Land zu verlassen. Der eigentliche Plan war 6 Tage nach Israel und Palästina zu fliegen, es hat sich aber herausgestellt, dass die Flüge extrem teuer sind. Plan B war deshalb Beirut – der Flug war um die Hälfte günstiger und ich habe von ein paar Freunden positive Berichte über die Stadt bekommen.


Der erste Tag in Beirut war mit einem ziemlichen Kulturschock verbunden. Muslime und Christen halten sich in der Stadt ungefähr die Waage und das merkt man am Lebensstil. Mädls sind in sehr, sehr kurzen Shorts und Miniröcken unterwegs, auf der Straße wird Alkohol getrunken, alle Geschäfte sind offen (von Ramadan keine Spur) und das Nachtleben ist sehr freizügig. So liberal habe ich mir Beirut nicht vorgestellt!

Ich bin in einem Hostel unter gekommen und habe dadurch natürlich sofort Leute kennengelernt. Am zweiten Tag ging es daher gleich nach Biblos, einem Dorf nördlich von Beirut, in dem Ruinen und eine alte Festung stehen. War alles schön zu sehen, das Beste war aber auf jeden Fall die Hin- und Rückreise per Minibus! 

Die restlichen Tage habe ich sehr viel auf der Terrasse des Hostels gechillt und viele verschiedene und sehr interessante Menschen kennengelernt. Hostelleben eben ;)

Aber natürlich bin ich nicht NUR auf der faulen Haut gelegen. Die Highlights des Urlaubs waren eindeutig das Hisbollah Museum in Amitla (südlich von Beirut) und der Besuch einer NGO im Flüchtlingsviertel von Beirut, die von syrischen Flüchtlingen gegründet und geführt wird.

Alles in Allem war es also eine echt schöne Woche! ... Und trotzdem bin ich mit dem Fazit zurück nach Kairo geflogen, dass mir die Metropole am Nil sehr viel besser gefällt als Beirut!

Mosche und Kirche Seite an Seite
Warum? Das Leben in Beirut ist auf jeden Fall einfacher, sehr viel liberaler als in Kairo und mit weit weniger Belästigung verbunden. Aber es ist auch sehr viel teurer (mindestens österreichische Preise) und unpersönlicher, „westlicher“. In Kairo spielt sich das Leben in der Straße ab (auch wenn natürlich kein Alkohol auf der Straße getrunken wird) und die Leute sind generell sehr freundlich und hilfsbereit. Natürlich gibt es viel mehr Armut und sexuelle Belästigung in Kairo aber schussendlich sind es die Leute und die Atmosphäre, die eine Stadt ausmachen. Und die finde ich in Kairo eindeutig sympathischer als in Beirut!

Ich habe mich daher also richtig gefreut, als ich wieder in Kairo gelandet bin und mit den wartenden Taxifahrern am Flughafen auf Arabisch/English um den Preis gefeilscht habe. Als ich dann im Stau mit meinem Fahrer ein paar Worte ausgetauscht habe, lies rundherum die wohlbekannte Mischung aus Staub, Hitze und konstantem Hupen grüßen. Und genau in diesem Moment (und durch die Zeit in Beirut) wurde mir klar, dass Kairo „meine“ Stadt ist!

Und gleichzeitig rückt der Abschied unweigerlich näher…

(Bilder werden nachgeliefert, muss sie selbst erst bekommen)

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